Der Garten im Herbst

Einen Garten im Herbst zu betreuen bedeutet viel Arbeit und viel Abschied. Nach den ersten Nachtfrösten sieht meine Kapuzinerkresse, die bis dahin 1 A durchgehalten hat, nur noch traurig aus. Die Tomaten sind zu einem braunen Schatten ihrer selbst zusammen geschrumpelt und die Cosmeen überlegen noch, ob sie jetzt aufgeben oder lieber doch noch ein bisschen blühen. Der Rhabarber will versetzt und gedüngt werden, der Gemüsegarten gemulcht, Laub gerecht und was der unendlich vielen Arbeiten mehr sind.

Zugleich kommen liebe Nachbarn/Freunde/Bekannte und brauchen dringend Hilfe bei der Verarbeitung ihrer halben Tonne Äpfel. Wie gut, dass ich gerne Apfelkuchen esse und die Kinder Apfelmus… ach ja, und die Kürbisse gab es ja auch noch…

Und wie jedes Jahr taucht mich der Herbst in ein Wechselbad aus Gefühlen. Tod, Verwesung und das damit einhergehenden Absterben sind Themen, die in unserem Kulturkreis nicht beachtet werden und wo wir nur ungern hinschauen. Der Herbst zwingt uns dazu, speziell an den klamm-kalten Tagen, wo es gar nicht richtig hell wird und der Nebel über den Feldern hängt. Die Laternenfeste der Kinder und das traditionelle “Martini-Gansl” helfen dem Herbst-blues, halten ihn aber nicht auf.

Und dann sind da auch noch die goldenen Tage. Der Wind wirbelt rot gefärbtes Laub auf, wir gehen Drachen steigen lassen, die Sonne lässt den Reif glitzern und der Wald grüßt orange-rot herüber. Und mein Zitronen-Bäumchen beschließt, dass es nun Zeit für die Ernte ist. Was es sich dabei gedacht hat, weiß ich nicht, vielleicht ist es seiner Herkunft aus dem großen schwedischen Möbelhaus mit den 4 Buchstaben geschuldet, dass sein Bio-Rhythmus etwas durcheinander ist. Jedenfalls, als ich hübsche Chrysanthemen in die Töpfe pflanzte, hing mein Zitronenbaum voll mit 11 Zitronen, die nun sommerlich-fehl-am-Platz mein Tischchen zieren und uns mit ihrem Duft erfreuen.

Die Rosen richten einen letzten Gruß an die Sonne und strecken ein paar letzte Blüten dem Licht entgegen. Wenn man genau hinschaut, dann glitzern Tautropfen auf den Spinnweben, die sie umgeben. Der unermüdliche Feldsalat sitzt in seinem Beet und beglückt uns nun schon seit 2 Monaten mit stetig frischem Grün. Wer es nicht schon wusste: Feldsalat ernte ich immer wie Pflücksalat- also nur die äußeren Blätter der Pflänzchen, die sich zu richtigen Knubbeln auswachsen können. Auf diese Art hat man weniger zu putzen und die Pflänzchen wachsen weiter und bilden erneut Blätter. Die einzigen Pflänzchen, die ich komplett ernte sind die, die zu dicht beeinander stehen.

Himbeeren gibt es erstaunlicherweise auch noch immer im Garten. Sie schmecken etwas eigenartig, weil sie nicht mehr so viel Zucker enthalten und sind durch wiederholtes Einfrieren und Auftauen etwas matschig- aber es sind eindeutig Gartenhimbeeren. Und da ich in dieser Jahreszeit die einzige bin, die in ihrem Ordnungswahn auch im grausigen Wetter im Garten steht und versucht ihn winterfest zu machen. Komme ich mit nassen Zehen und klammen Fingern wenigstens in den alleinigen Genuss der letzten Himbeeren.

Wenn dann alle Gehölze verpflanzt und die vielen Dutzend Zwiebeln für den Frühling gesteckt sind ist es wahrscheinlich schon Zeit, mit den Kindern los zu ziehen und in Wald und Flur für Weihnachten zu sammeln. Sie und ich, wir können es kaum erwarten.

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