Feiertagsfrühstück

Dass der 15. August in Österreich ein Feiertag ist, habe ich erst erfahren, als ich zu arbeiten begonnen habe. Während Schulzeit und Studium waren da ohnehin Ferien und mit einem Vater am Theater mit Spielzeitpause und einer selbstständigen Mutter, die sich an den Ferienzeiten der Schule orientiert hat, blieb dieser Feiertag bis dahin für mich unbemerkt. Inzwischen weiß ich ihn sehr zu schätzen, wie wahrscheinlich viele Menschen, da er im Sommer einen Urlaubstag spart. In der Woche des 15. August sind Arztpraxen, Friseure, Tierärzte, Handwerker und viele Büros geschlossen. Es ist der Höhepunkt des Sommers, jetzt legen wir die Füße hoch.

Und was feiern wir nun am 15. August? Als alte Protestantin musste ich Wikipedia befragen und weiß nun: Die Himmelfahrt Mariä. Und zwar, wie ich heute gelernt habe, mit Seele und mit Leib!! Also der Papst hat am 1. November 1950 per Dogma beschlossen, nachdem er vorher 4 Jahre lang seine Bischöfe befragt hat, dass nicht nur Marias Seele, sondern auch ihr Leib tutti kompletti in den Himmel zum lieben Gott aufgefahren sind. Wahrscheinlich auf einer Wolke, die von Engeln gezogen wird, oder so. So malen es jedenfalls die meisten Künstler. Na gut. Der Protestantismus in mir regt sich laut und deutlich, aber Feiertag ist Feiertag. Weil wir nun schon mal beim Glauben sind hat die Kirche den Tag auch gleich zum Anlass genommen diverse Kräuter zu segnen. Das macht die römisch-katholische Kirche dann wieder besser als wir kargen Protenstanten. Zu Ostern werden Eier, Schinken und Brot gesegnet und zu Mariä Himmelfahrt eben die Kräuter, denn die wachsen ja auch gerade und praktischerweise segnet man auch gleich den Kräuterschnaps mit. Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral. Einmal ordentlich Weihrauch drüber, dann ist alles besser- und da der Rauch tatsächlich desinfizierende Wirkung hat und der Glaube ja bekanntlich Berge versetzt stimmt das wahrscheinlich sogar.

Ich habe es jedenfalls zum Anlass genommen, einen duftenden Kräuter- Blumenstrauß zu binden (da ich musikalisch sowieso in der Kirche verpflichtet war)- nun ist er also gesegnet und wird uns dadurch…. ähm…. naja sagen wir genauso gut schmecken. Trotzdem berührt mich immer wieder, wieviele Menschen zusammen kommen um gemeinsam zu singen, eine höhere Idee zu feiern, Musik zu genießen und im Anschluss Würstchen zu essen. Ich glaube die Ausführung heiligt in dem Fall den ursprünglichen Anlass, falls das Sinn macht.

Jedenfalls hat natürlich auch der Bäcker am Feiertag geschlossen und so musste bei uns ein impromptu Feiertagsfrühstück her, dass vor der Kirche fertig ist. Also man nehme: Beliebige Früchte des Sommers, die man grade im Überfluss hat und koche sie mit Zucker, Zitronensaft und einer Prise Salz etwas ein. Bei uns waren es die überreifen Pfirsiche unseres Nachbarn (mit Erlaubnis!), die über den Zaun ragten. Oder einfach ein Glas gute Marmelade oder Kompott. Streiche sie in die Mitte eines ausgerollten Blätterteiges. Puristen dürfen ihn selber machen, Schnelle dürfen gekauften nehmen. Knete Marzipanrohmasse (100g) zu einer ähnlich langen Schlange, die man dann platt drückt (Kinder helfen dabei gerne!) und falte den Teig darüber- das geht mit mehr oder weniger Aufwand. Mit Ei bepinseln, nach Belieben mit Mandelblättchen oder Hagelzucker bestreuen, 30 Minuten backen, fertig. Kaffe oder Tee dazu und alle sind glücklich! Bestimmt auch der Leib Mariä im Himmel.

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Ajvar

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Zweierlei Marillenkuchen