Gartengeschichten
Mit diesem Stückchen Erde haben wir schon Einiges erlebt. Als wir es zum ersten Mal sahen, war es voller Brennnesseln, Efeu, Winde und Kratzbeeren. Außerdem stand da ein alter Schuppen, gefüllt mit allerlei Gerümpel, an dessen Ende wir die Reste eines Hüherstalls bewundern konnten. Mehrere Bäume und Sträucher waren um Stahlträger herum gewachsen, sodass man diese nie wieder weg bekam. Ein Zaunfundament und ein weiteres Betonfundament rundeten die “Schöneheiten” im Garten ab.
Die alte Fichte hatte sich dreigeteilt (genau, wie die Föhre im Vorgarten, die immer noch steht), ein alter Apfelbaum trug winzige Äpfel in unerreichbarer Höhe und ein weiterer Apfelbaum war offenbar nie geschnitten worden und schoss als “Säule” gen Himmel. Letzterer fällte sich bei einem Sommergewitter selbst, glücklicherweise stand niemand darunter. Nachdem wir uns von der kranken Fichte und (leider) auch vom alten Apfelbaum verabschiedet hatten, haben wir die Fundamente ausgegraben und den Schuppen abgerissen. Er war als Wohnhaus angemeldet worden und wir hätten ihn entweder bewohnbar machen müssen, oder wegreißen. Nachdem er von bewohnbar so weit entfernt war wie ein Kuhfladen von einer Pizza, haben wir uns für den Abriss entschieden.
Dann fehlte natürlich etwas Mutterboden, den uns ein Bauer geliefert hat- und leider auch riesige Mengen eines ziemlich aggressiven Acker-Unkrauts. Tja, für die Bienenweide, die wir angesät hatten war es noch nichts. Dafür kamen unsere ersten Obstbäumchen und Beerensträucher in den Boden. Nachdem ich gleich voller Enthusiasmus einen Gemüsegarten angelegt hatte bot das erste Gartenjahr eine reiche Ernte. So viele Tomaten hatten wir danach, wo man doch meinen sollte, ich hätte an Erfahrung gewonnen, nie wieder.
Dafür nahm die Biodiversität mit Blumen und Kräutern ständig zu und das Brennnessel-Kratzbeeren Monopol verschwand. Der Vorgarten und Teile des hinteren Gartens mussten für die Baustelle herhalten. Ein Stützmäucherchen und der Kelleraushub kam in großen Bergen an die Grundstücksgrenze. Meine Idee, dort Kürbisse und Ringelblumen anzusäen hat sich in Winde und Gras aufgelöst. Aber nachdem dort ohnehin wieder “Terraforming” stattfinden würde, haben wir es dabei belassen und uns auf den hinteren Teil konzentriert.
Welche Erleichterung, als dann endlich die Fassade des Hauses gemacht war und ich mich dem Garten widmen durfte! Die Hochbeete und der Erdbeerhügel entstanden nochmal mit Baggers Hilfe, die Mäuerchen haben wir dann schon selber gebaut und das erste Jahr war die Winde eine echte Herausforderung. Mit einem Neugeborenen lange weiße Spaghetti-Wurzeln aus der Erde ziehen- was gibt es Schöneres???
Doch jetzt, in Jahr Nummer 2 überwiegen die Stauden. Alles ist dicht begrünt, die Obstbäumchen fangen zaghaft an zu tragen und die Ribiseln an der hinteren Grundgrenze brauchen ihren ersten Radikal-Schnitt. Die Brombeeren- wilde wie stachellose- blühen in einem zartlila Blütenmeer, was sowohl mich, als auch die Bienen erfreut. Nur werde ich die wilde Brombeere auf Dauer zähmen müssen. Sie ist stachelig wie ein Drache und sticht auch durch dicke Handschuhe hindurch…
Jedenfalls bleibt der Garten- wie alles Lebendige- ein laufendes Projekt. Noch immer liegen Stapel von der Baustelle herum. So zum Beispiel alle alten Deckenbalken, die ich einfach nicht wegwerfen kann, weil ich sie so schön finde. Oder die alten Dachziegel, für die ich eine Verwendunsgform suche, an der man sich nicht verletzt, wenn sie schließlich splittern. Der Komposthaufen ist eine wilde Mischung und der wunderschöne Haselruten-Zaun, den wir ganz am Anfang gebaut hatten, ist schon verrottet und dem Erdboden gleich. Dafür blühen die Rosen im Vorgarten und das Spalierobst an den Grundgrenzen. Ich finde ein mehr oder weniger friedvolles Auskommen mit meinen Schnecken und Wühlmäusen und freue mich über Eidechsen, Frösche, Amseln, Gartenrotschwänzchen, Spatzen, Igeln und Hirschkäfern.