2 Kinderkleider aus Stoffresten
Ich muss zugeben, dass ich nur selten für Andere schneidere. Und dass ich im letzten Reste-Kleider post geschrieben habe, ich würde meinen Kindern nichts Schneidern, weil deren Kleiderschränke ohnehin schon überquellen. All das stimmt noch immer und trotzdem gibt es Reste, die einfach nicht zu mir passen. Wie zum Beispiel der wundervolle orange Jersey, aus dem ich gerade mal einen Taillenbund mit Unterrock für mich gemacht habe, der aber noch so viel Rest bietet, dass sich gut mehrere Teile ausgehen. Nur trage ich kein großflächiges Orange. Zum Glück bot sich eine Kombinationsmöglichkeit mit einem lustigen Baumwoll-Webstoff, den ich auf demselben Reste-Flohmarkt wie den Stoff für den neuen Lampenschirm gekauft habe. Also an die Nadeln, fertig, los…
Zuerst habe ich mir ein Muster gesucht. Ich schneider nicht gerne mit Schnittmustern, weil mich die großen Papiere und das Übertragen nerven. Da ich nicht davon leben muss, ist es mir auch egal, wenn ich ein bisschen mehr Stoff brauche (daher die Reste) oder eine Naht nicht ganz gerade ist. Was ist im Leben schon gerade.
Nachdem dieses Kleidchen hier ebenfalls aus einem Jersey-Oberteil und einem Baumwoll-Webstoff Rock besteht, war ich recht zuversichtlich, dass das bei meinem auch klappen könnte. Nachdem Ärmel-Annähen zum Mühsamsten überhaupt gehört lassen wir das einfach weg und schneidern ärmellos. Wird ja e ein Sommerkleidchen.
Also Oberteil auf den Stoffrest legen, Maß nehmen, ausschneiden. Rocklänge abmessen und dann einen Streifen in derselben Breite (oder etwas länger in meinem Fall- meine Große mag gerne lange Kleider und meine Kleine wächst so schnell…) aus dem Webstoff schneiden. Und weil wir gerade lustig waren, fand ich, ich verziere das Oberteil mit ein paar Herzchen. Die hab ich dann als allererstes auf das vordere Oberteil genäht, denn wenn da die Seiten erst mal geschlossen sind, wird es sehr mühsam. Dann habe ich die Seitennähte vom Oberteil geschlossen und auch den Rockstreifen zum Ring geschlossen, um den Rock anpassen zu können.
Wer möchte, kann hier natürlich einen Heftstich an der ganzen Oberkante ausführen und den Rock wie eine Rüsche zusammenziehen. Ich habe in diesem Fall Falten gelegt. Dazu habe ich an einer Seite Naht an Naht gelegt und dann den Rockstreifen in der Hälfte genommen und an die andere Oberteil-Seitennaht geheftet. Und dann geht es immer so weiter. Den Rockstreifen in der Mitte des losen Teils fassen und in die Mitte des Oberteils stecken. Und dann wieder und wieder, sodass zunächst Viertel, dann Achtel und schließlich Sechzehntel entstehen. Dann habe ich den Rock ans Oberteil genäht und versäubert und dann auch den Saum versäubert und umgenäht. (Nachdem es sich um einfache Kinderkleider handelt habe ich nicht von Hand gesäumt.)
Eigentlich hätte ich vorher noch das Oberteil versäubern sollen- aber ich hasse versäubern. Speziell bei Jersey erscheint es mir so überflüssig, weil der ja ohnehin nicht ausfranst. Bis meine Schwiegermama mir mal erklärt hat: “Erst nähst du und dann machst du die Naht schön.” das hat der Sache deutlich auf die Sprünge geholfen. Und ich muss zugeben, dass versäuberte Nähte deutlich besser halten. Jedenfalls habe ich das Versäubern (also das Einfassen der Stoffkante mit einem Zick-Zack-Stich) dann nachgeholt. Die Ärmel habe ich nachgeschnitten- ich war ja am Anfang nicht so genau - und umgenäht. Übrigens habe ich für das ganze Projekt beinahe ausschließlich den Zick-Zack Stich verwendet, weil dieser sich dehnen lässt. Jersey ist ein wunderbares, dehnbares Material (deswegen ist er so bequem), und damit die Nähte nicht gleich reißen, müssen sie sich auch bewegen können. Jedenfalls fand ich dann bei genauem Hinsehen, dass das Oberteil des kleinen Kleides im Verhältnis viel zu lang war. Aber alles auftrennen und abschneiden? Vor allem, nachdem die Maus in einem Jahr wahrscheinlich ohnehin diese Länge braucht?!? Ich habe mich dann für eine “Wachstumsfalte” entschieden und den Rock ein Stückchen höher einfach nochmal angenäht. So kann ich das Kleid nächstes Jahr einfach 4cm verlängern und dieses Jahr passt es trotzdem.
Die Große war ganz aufgeregt, wann die Mama denn endlich mit dem neuen Kleid fertig ist. Die Kleine will lieber eine Hose. Naja, vielleicht war es ganz richtig, die Wachstums-Falte einzuplanen.
Jedenfalls bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis- und die kleinen Mädels im Freundeskreis stehen schon an, wann sie es denn endlich “erben” dürfen.