Rezepte mit der umstrittenen Kohlsprosse
Ich weiß nicht, an wievielen Gemüsen sich die Geister scheiden. Koriander fällt mir spontan ein, obwohl er eindeutig ein Kraut und kein Gemüse ist. Entweder man hasst ihn, oder man liebt ihn. Es soll auch Menschen geben die eine Tomaten-Phobie haben. Das ist mir zwar unbegreiflich, aber jedem das seine. Ein ebenso strittiges Gemüse ist die Kohlsprosse. Und ich gebe zu, dass ich bis vor Kurzem eindeutig zu den Verächtern dieser kleinen Knolle zählte. In meinem Elternhaus wurde sie kaum gekocht, und im Kindergarten wurden meist die Zivildiener für die Küche eingeteilt. Also 18 jährige Jungs, die meistens grade mal Nudeln kochen konnten. Vielleicht gaukelt mir hier meine Erinnerung und mein sensibler Kindergaumen falsche Tatsachen vor, aber einer hat es tatsächlich geschafft den ganzen Kindergarten durch uneingeweichte Bohnen (die Hülsenfrucht) zu vergiften. Das hat mir Hülsenfrüchte für lange Zeit verleidet. Und die matschigen, bitteren Kohlsprossen zählten auch nicht unbedingt zu meinen Favoriten.
Bohnen, Linsen und Co esse ich schon länger wieder mit Genuss, wenn auch vermutlich noch immer zu wenig. Die neuesten Studien zeigen jedenfalls, dass die Lebenserwartung deutlich steigt, wenn man mehr als 3x wöchentlich Hülsenfrüchte (zu denen auch Erbsen, Erdnüsse, Tofu- also Sojaprodukte- und Kichererbsen zählen) ist. Das sollte doch Ansporn genug sein, abgesehen von weiteren guten Auswirkungen für die Gesundheit. Und nicht zuletzt tragen wir durch mehr pflanzliches Eiweiß (und dadurch weniger tierisches) zum Erhalt unseres Lebensraumes bei. Aber ich schweife ab…
Vielleicht erging es Kohlsprossen so, wie vielen verrufenen Gemüsen: Sie werden einfach nur “falsch” zubereitet. Wenn ich Zucchini durch Kochen in Wasser in eine matschige Pampe verwandle, bin ich mir auch nicht sicher, ob ich sie noch mag.
Mir ist biologische, regionale und saisonale Ernährung extrem wichtig. Und ich koche auch sehr gerne- der blog hat ja schließlich einen Grund und die ganze Gemüse-gärtnerei auch. Ich bin jedenfalls begeisterte Ernteteilerin eines nahe gelegenen Gemüsehofes, der seit Neuestem auch eine Winter-Kiste anbietet und mich damit von Februar bis Dezember mit Gemüse versorgt, das 500m Luftlinie entfernt wächst, und das ich völlig ohne CO² Emissionen zu mir in die Küche holen kann. So weit so gut. In der Winter-Kiste befinden sich natürlich auch: Kohlsprossen (oder “Bundesdeutsch” Rosenkohl) und zum Glück auch gleich Rezeptideen. Eigene Recherche in Lieblingskochbüchern und fleißiges Ausprobieren hat mich zu dem Schluss geführt, dass man Kohlsprossen unbedingt braten oder backen sollte, und dass ein bisschen Biss ihnen überhaupt nicht Schadet. Durch ihren relativ hohen Anteil an Bitterkeit brauchen sie für meinen Geschmack genügend Säure oder jedenfalls Würze, um das wieder auszugleichen. Und etwas Cremigkeit kommt dann auch nicht schlecht. Hier also meine beiden Lieblingsrezept mit Kohlsprossen.