Selbstgemachte Creme
Achtung, dies ist der “Einarmige Bandit” der DIY Kosmetik und regt zu suchtartigem ausprobier-Verhalten an!
Ich bin mit Neurodermitis aufgewachsen. Dafür blieben mir die meisten Pickel der Pubertät erspart. Jedenfalls habe ich schon sehr früh begriffen, wie wichtig es mir ist, mich wohl in meiner Haut zu fühlen. Und dann kamen all die Nachrichten über Mikroplastik in unserer Kosmetik und wie es über die Haut aufgenommen werden kann. Die (meist) Plastik-Verpackung der Cremes, die in der Umwelt landen und zum weltweiten Mikroplastik-Problem beitragen- abgesehen davon, dass sie mich in meinem persönlichen Hausmüll nerven. Und natürlich jede Menge künstlicher Duftstoffe, chemischer Substanzen, die unserer Hormone durcheinander bringen und anti-Falten-Creme die bestenfalls nicht krebserregend ist. Also jedenfalls ist mein Vertrauen in die Kosmetik-Industrie nicht so wahnsinnig groß. Und dann bin ich auf diese Formel gestoßen und sie hat meine Badezimmer-Welt verändert: 10:1:5
10 Teile Öl, 1 Teil Bienenwachs (für vegane: Sojawachs geht auch, aber bitte mit dem Verhältnis experimentieren), 5 Teile einer Flüssigkeit (nicht Öl).
Das wird gemeinsam zart erwärmt, sodass sich das Bienenwachs auflöst. Das geht schneller, wenn man das Wachs vorher reibt, den Schritt kann man aber auch auslassen. Nachdem ich allerdings immer einen größeren Klumpen kaufe, muss ich ihn ohnehin irgendwie zerkleinen. Das Reiben geht leichter, wenn man es vorher kurz in den Tiefkühler legt.
Dann einmal gut durchrühren und abkühlen lassen. Wenn es die Konsistenz von Butter bei Zimmertemperatur hat den Pürierstab hervor zaubern und darin versenken. Und dann die (wässrige) Flüssigkeit schön langsam dazu gießen, sodass eine Emulsion entsteht. Es ändert sich tatsächllich die Farbe ein bisschen. Fertig. Nach Belieben kann man natürlich ein ätherisches Öl hinzufügen, aber ich mag den nussig-honigartigen Geruch von Wachs und (Mandel-)Öl.
So und wer mich jetzt verblüfft durch den Bildschirm anstarrt warum das denn ein einarmiger Bandit sei, dem seien noch folgende Hinweise gegeben: Es gibt unendlich viele Sorten Öl- ich liebe besonders Mandel- und Arganöl, aber auch Olivenöl ist fein. Sie lassen sich in Mehrwegflaschen kaufen (oder schlimmstenfalls in recycelbarem Glas). Wachs bleibt Wachs, aber bitte nicht die Wachsplatten zum Kerzendrehen, die der Imker als Fake für seine Bienen verwendet, sondern reines Bienenwachs, das auch als Backwachs zu bekommen ist. Flüssigkeit, naja, was euch eben einfällt: Stutenmilch wie Kleopatra, Tees, verschiedene Kräuterauszüge, Gemüse- und Fruchtsäfte, eine Kombination aus Beiden mit Quellwasser aufgespritzt…. bei der aktuellen Charge habe ich einen starken, duftenden Tee aus den ersten Holunderblüten gemacht. Ach ja, und das Öl kann man natürlich auch vorher mit verschiedenen Kräutern (Kamille und Ringelblume mag ich besonders) ziehen lassen. Oder auch nicht. Jetzt versteht ihr meine slot-machine…. und wenn ich die 3 Zutaten gefunden habe die in meinem Kopf “Bing bing bing bing” machen, dann kann ich es kaum erwarten loszulegen.
Ach so- und am Ende fülle ich es in Mehrweg-Cremetigerl ab, die ich vorher auskoche. Dann ist es tatsächlich Zero-waste.
Wie ihr seht, mache ich außerdem immer eine größere Menge auf einmal (100ml Öl, 10 Gramm Wachs, 50 Ml Flüssigkeit), damit es nicht so viel Aufwand ist. Die Creme hält sich monatelang im Tiefkühler. Wenn ihr tatsächlich mit Gemüse- und Obstsäften experimentiert (nur zu, Gurke ist besonders fein!) dann bewahrt die Creme auch bei Gebrauch im Kühlschrank auf und nehmt einen sauberen Löffel zur Entnahme, sie schimmelt dann nämlich schneller. Bei Tees oder Wasser ist das Problem noch nie aufgetretetn. Und ein letzter Tipp noch: Stellt die Creme an einem Tag her, an dem ihr euch etwas Zeit für die Körperpflege nehmen könnt. Topf, Pürierstab, Löffel etc. sind natürlich voller Creme und die verteilt man am besten gleich auf dem ganzen Körper, damit sie nicht den Abfluss verstopft.